Archiv für September 2008

Laurence’s Birthday

Ich dachte, wenn ich einen Abend mal aussetze, werde ich schon keine Probleme mit dem Aufstehen haben. Ich hatte mich geirrt. Mein Schlafrhythmus diktierte mich in einen Halbschlaf, in dem ich mich Richtung Abend träumte. Bevor ich jedoch gänzlich mein Bewusstsein verlor, war der Vormittag rum und ich konnte mich aufmachen, meinen Supervisor zu treffen. Normalerweise wird einem hier ein Thema zugewiesen, das man dann bearbeiten muss. Doch er sah das ein wenig lockerer und ich konnte ihm Thema und Projektbeschreibung diktieren. Der vorläufige Titel lautet „Video Object Recognition“ und es geht hauptsächlich darum, in einem Video sich bewegende Objekte zu erkennen und zu interpretieren. Meine Idee war es, diese Bewegungen musikalisch interpretieren zu lassen, nach dem Vorbild der Virtual Air Guitar. Auch wenn das alles vielleicht ein wenig zu ambitioniert ist, wenn man die Kürze des Projekts und die Verlockungen dieser Stadt betrachtet, so hoffe ich doch zumindest eine Menge dabei zu lernen.

Abends feierten wir dann in Laurence’s 21. Geburtstag hinein. Wir starteten in unserer Küche, gingen dann zu unseren Nachbarn und irgendwann fand sich jeder in irgendeiner Flat wieder. Ich hatte das Glück in der richtigen Flat gewesen zu sein: Irgendwo im achten Stock des D-Blocks. Von dort hatte man nämlich die wunderbare Aussicht auf eine Menschentraube im Hof, die sich dort versammelt hatte, um den Göttern des Feueralarms zu huldigen. Es ist erstaunlich, dass ich nun schon drei Wochen hier bin und immer noch keinen einzigen miterleben musste.

Housewarming party

Wenn man nicht die Möglichkeit hat, in einem Wohnheim zu wohnen, so ist in London die günstigste Alternative, mit ein paar Freunden gleich ein ganzes Haus zu mieten. So wie es ein guter Freund meines Mitbewohners gemacht hat. Zusammen mit Laurence besuchte ich also dessen Housewarming Party in Camberwell. Wir hatten vor, um zwei das Geschehen zu verlassen, da wir beide um neun Vorlesungen hatten. Es wurde ein wenig später und heute morgen ein Kampf aufzustehen. Da ich hier meine Hochschule auch ein wenig repräsentiere, wollte ich nicht meiner üblichen Gewohnheit nachgehen, meinen Schlaf in der Vorlesung nachzuholen. Das mache ich dann jetzt bis zur nächsten Vorlesung um fünf. Gute Nacht.

Goldsmiths

Nach meinen Recherchen brauchte ich mal wieder eine kleine Auszeit. Wir beschlossen, uns dem Pub Crawl unserer Students’ Union anzuschließen. Erst später bemerkten wir, dass die Pubs der Tour nicht alle auf unserem erhofft niedrigem Preisniveau lagen. So trennten wir uns heimlich von dem Rest unserer Pub Crawl Gruppe und nahmen den Bus Richtung New Cross. Dort fand irgendeine Freshers’ Party der Goldmiths Students’ Union statt. Verglichen mit unserer Union waren Einrichtung und Menschen etwas schicker, wozu man bei Alumni wie John Cale, der Blur-Bande oder Brian Molko vielleicht verpflichtet ist. Nächste Woche werden wir auf jeden Fall wiederkommen. Einziges Manko war die Menschenmenge vor der Bar und dass diese sich erst dann langsam auflöste, als es für einen Pfund nur noch Strongbow (fragwürdiger Geschmack) gab.

Filter, Transformation, Signal

Um nicht den Eindruck zu erwecken, ich wäre nur zum Vergnügen hier, widme ich mich heute den wirklich interessanten Dingen meines Studentenlebens: Zahlen, Signalen und Bildern. Da Freitag die nächste Besprechung mit meinem Supervisor ansteht, muss ich in den nächsten Tagen ein wenig über mein zu bearbeitendes Thema niederschreiben. Es stellt sich heraus, dass dies gar nicht so einfach ist, da DSP sehr umfrangreich ist und man sich genau überlegen muss, was in diesen zwei Semestern überhaupt machbar ist. Für alle, die dieses interessante Thema erstaunlicherweise weniger interessiert, werde ich heute noch ein paar Bilder der letzten Tage einfügen, da ich nun endlich jemanden gefunden habe, der meine Bilder der Kamera entlocken kann. Dieser Eintrag sei Nadja gewidmet.

Being Around

Nach dem Aufstehen beschlossen Laurence und ich, nicht wie üblich, den Tesco aufzusuchen. Das sparten wir uns für den Abend auf und gingen stattdessen Richtung Tottenham Court Road, um ein paar Buchläden auszuchecken. Anschließend war ich sogar kurz davor, mir ein Kamerakabel zu kaufen. Doch wir bekamen einen Anruf von Giovanni, wir sollten nach Camden kommen. Also stiegen wir in den Bus und fuhren zur Camden Town Underground Station. Dort warteten wir dann erstmal eine Weile, um ein wenig über das italienische Verständnis von Pünktlichkeit zu lernen, eine Viertelstunde später dann über die Polychronität der Franzosen. Zusammen liefen wir dann über den Camden Market und schauten uns ein wenig um. Auch wenn es für mich nun schon das fünfte Mal war, gab es doch wieder ein paar neue Dinge zu entdecken. Nach unserem Spaziergang fuhren wir zurück zum Wohnheim. Vorher waren wir natürlich noch beim Tesco.

Abends zelebrierten wir dann ein wenig in einer anderen Flat. Der Flur wurde in einen Dancefloor verwandelt, ein Bügelbrett hielt als DJ-Pult her. Auch die Völkerverständigung kam nicht zu kurz: So lernten wir von unseren schwedischen Freunden die essentiellen Sätze. Da meine jüngeren Geschwister hier mitlesen, möchte ich allerdings an dieser Stelle nichts davon wiedergeben.

The Queen Is Dead

Gestern war wieder Soho angesagt. Diesmal waren wir im Borderline. Alan McGee präsentierte „The Queen Is Dead“ und spielte die Musik, die wir hören wollten. Vorher spielten Eastroad ihre Version von Musik, die man als „okay“ bezeichnet. Eintritt: 7 £, Carlsberg: 3,10 £.

Candybox

Den gestrigen Abend verbrachten wir im Moonlighting in Soho. Candybox war angesagt. Indie Mainstream und günstige Drinks, also beste Voraussetzungen, um seine Hüften ein wenig rhythmisch zu bewegen. Verständigungsprobleme in unserer internationalen Gruppe waren auch passé, da man sich auf Grund der lauten Musik eh nicht verstehen konnte und sich durch pantomimisches Tanzen mitteilen musste. Wir werden sicher wiederkommen.

Unsere Band ist nun auch komplett. Unser finnischer Nachbar trommelt für uns. Seine Haupteinflüsse sind die 60er, somit müssen wir zumindest kein zu aufwendiges Drumkit organisieren. Da er nur für ein Semester bleibt, dürfen wir nun keine Zeit verlieren und es gilt, schnell voranzukommen. Da Proben zu viel Zeit in Anspruch nähme, strichen wir dies als erstes von unserer Agenda.

Die Zahl der eingerichteten Internetzugänge ist nun schon zweistellig und es hat sich bereits rumgesprochen, dass ich ein paar Probleme beheben kann. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass meine Computer-Affinität hier der sozialen Isolation entgegenwirkt.

Course Induction

Informationen über Informationen, die einen nicht interessieren oder die man schon gehört hat. Eine Tour durch Räumlichkeiten, die man wohl nie aufsuchen wird und am Schluss gab es nicht einmal ein paar Sandwiches (Weißwein gab es hingegen, doch damit habe ich bei früheren Buffets hier in London ja eher schlechte Erfahrungen gemacht). Erfreulich war, dass ich jetzt meine Student ID-Karte besitze und nicht mehr lästigerweise meine Einführungspappe am Eingang zeigen muss. In der Mittagspause gönnten wir uns dann ein Chicken Korma beim Inder gegenüber meines Wohnheims. Geschmack, Menge und Service ließen nicht zu wünschen übrig. Sie waren sogar so nett, uns einen Fruchtsalat als Nachtisch zu spendieren. Von meinem Fenster aus kann ich sehen, ob der Laden voll ist. Also eine gute Alternative, wenn ich mir mal den Luxus leisten möchte, nicht selber zu kochen.

D8 Mobile Disco

Ein ranziger 15 Watt-Gitarrenverstärker, ein Klinkenadapter, ein Audiokabel und ein Ipod, bestückt mit Partyklassikern. Dazu Leute, die nicht nur den ultimativen Musikgeschmack, sondern auch das nötige Einfühlungsvermögen besitzen, um nur den erlesensten Schallwellen den Weg durch die Hörkanäle der nach Party gierende Masse zu weisen. Das sind die Zutaten, wie sie sich in meinem Rezeptbuch für schnell zubereitbare Kitchen Parties finden lassen. Was die Hardware angeht, sind wir ausgerüstet. Was die Musik betrifft, haben wir zumindest bei unserem Flat Anthem, mit dem wir ab jetzt jedes Set eröffnen, Geschmackssicherheit bewiesen: Eine Hymne voller ehrlicher Romantik, die sich nicht scheut, die Probleme der unverzerrten Sicht offen anzusprechen.

Complete

Unsere WG ist nun vollzählig. Marina aus den Niederlanden komplettiert uns. Da alle ein wenig mitgenommen von der Kitchen Party am Vortag waren, entschlossen wir, im Green Park zu picknicken und dort den Abend zu planen. Zwar kamen wir auf Grund restalkoholinduzierter Unmotivation zu keinem Ergebnis. Doch ein Anruf nahm das erste Etappenziel vorweg: Kitchen Party. Dort befanden wir uns dann in so guter Gesellschaft, das wir den weiteren Abend dann doch nicht weiter verplanen mussten. Denn wir kamen in Sachen Bandplanung voran und sind stolz, Giovanni aus Modena als den Sänger in unserer Rock ‘n’ Roll-Kapelle zu präsentieren.

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