Archiv für November 2008

British Museum

In beeindruckender Kulisse präsentieren sich Exponate aus der Kulturgeschichte aller Kontinente. Um sich wirklich alles anzusehen, benötigt man wohl ein paar Stunden oder Tage mehr als ich heute hatte. Es lassen sich Kulturgüter aus allen Epochen und allen Teilen der Erde finden, von aztekischen Masken bis zu Shiva-Statuen. Ob alles, was man hier zu sehen bekommt, auch wirklich hier hingehört, sollte man sich dann aber vielleicht doch nicht fragen, um das alles zu genießen. Es wird jedenfalls noch immer kontrovers diskutiert. Einen Besuch ist das Museum auf jeden Fall wert.

I’m skint

Ende des Monats, Ende des Geldes, Anfang der Adventszeit. Zeit besinnlich zu werden, Zeit für Skin detection. Hilfreich, um Hände zu erkennen, ist es erstmal Haut zu erkennen. Dazu schaut man sich am besten möglichst viele Bilder mit viel Haut an (angeblich gibt es solche Bilder im Internetz), markiert die Haut und erstellt ein Wahrscheinlichkeitsmodell, mit dem sich schließlich ausrechnen lässt, wie wahrscheinlich es ist, das ein Pixel in einem Bild Haut darstellt oder nicht. Das Auswählen der Haut-Pixel kann man entweder selbst machen oder einen Rechner benutzen, so wie Ó Conaire, O’Connor und Smeaton. Deren Modell habe ich für mein Simulink-Modell benutzt, um ein paar Tests mit Hauterkennung durchzuführen. Erste Ergebnisse:

Wie man sieht, gibt es noch einige Optimierungsmöglichkeiten: Bessere Segmentation, um die falsch markierten Regionen auszuschließen; Gesichtserkennung, um dessen Markierung auszuschließen; langarmige Shirts zu tragen oder gar weniger JAMC und Doors zu hören.

Clinic

Sonntag ging es nach Camden. Dort besuchten wir den Markt, kauften uns Regenschirme, beautiful Leatherjackets und füllten unsere Mägen mit chinesischem Fast Food. Anschließend genossen wir noch ein Paar Pints in der Lock Tavern und fuhren dann mit der Tube Richtung King’s Cross; wiedermal gab es ein Konzert im Scala. Den Abend eröffneten die Threatmantics, die herrlich unaufgeregt die Bühne betraten. Daher war der Applaus auch zunächst recht verhalten, da das Publikum sie zunächst wohl für Roadies hielt. In der klassischen Gitarre-Schlagzeug-Geige-Besetzung präsentierte die Band aus Wales ein paar wuchtige Riffs, exaltierten Gesang, minimalistisches Schlagzeug und ja, ein paar Geigentöne. Danach dann Clinic, die sich dem Namen entsprechend, auf der Bühne mit Mundschutz präsentierten. Das war dann aber schon die einzige Gemeinsamkeit mit Michael Jackson. Denn anstatt zu tanzen, präsentierten sie ihre Tanzmusik doch eher stoisch. Die Musik hingegen ging gut nach Vorne und obwohl ich ehrlicherweise kein Lied von ihnen kannte, hatten sie keine Mühe, mich und auch den Rest des Publikums mitzureißen. Nach einer Zugabe war dann Schluss und wir verließen den Club. Ausnahmsweise erwischten wir den einen Bus, der uns wohlbehütet zurück nach Southwark brachte, wo wir dann erschöpft in unsere Betten fielen. Am nächsten Tag musste ich auch schon Abschied nehmen von meinen Gästen. Es war wie immer schön und man sieht sich hoffentlich zwischen Weihnachten und Neujahr in Bremen.

Das Video ist eher unrepräsentativ für das, was die Band uns an diesem Abend zeigte. Dokumentiert jedoch hoffentlich gut, ihre eher absurden Momente.

Notting Thrill

Nachdem wir uns Samstag aus unseren Betten geschält hatten, steuerten wir zielsicher auf den nächsten Bus zu und bewegten uns Richtung Notting Hill. Dort nahmen wir dann erstmal ein Full English Breakfast zu uns, um danach ganz entspannt entlang der Portobello Road zu flanieren, wo Samstags Second Hand-Klamotten und Antiquitäten auf dem gleichnamigen Markt feilgeboten werden. In derselben Straße befindet sich auch Honest Jon’s Records, der legendäre Plattenladen, in dem angeblich ein junger Joe Strummer damals den Reggae fand. Später in den 90ern trieb sich dort auch ein gewisser Damon Albarn herum, der 2002 das zugehörige Label mitgründen sollte. Vom Shopping erholten wir uns dann zusammen mit ein paar Pints Guiness im Mau Mau, einer absolut empfehlenswerten Bar, die regelmäßig Livemusik für lau bietet und sich in stimmungsvoller Atmosphäre zu präsentieren weiß. Die letzte Station unseres West End-Abenteuers bildete dann der Notting Hill Arts Club, wo die Psychedelica Three Launch Party stattfand. Veranstaltet wurde diese von dem, von mir geliebten Northern Star-Label, das sich auf Psychedelic-Musik spezialisiert hat und und auf ihren Psychedelica-Samplern regelmäßig wundervollen Bands eine Plattform bietet. Zur Feier des Tages spielten dort dann vier Bands für lau, von denen wir zwei sahen. Grandios waren Aspen Wood aus Bristol, die ihren Shoegazer-Sound mit Stoner Rock paarten und sogar zwischendurch an die Guns ‘n’ Roses (des 20. Jahrhunderts) erinnerten, ohne einen peinlichen Moment aufkommen zu lassen. Der Club selbst kann sich auch sehen lassen: In einem Keller mit kleiner Bühne, runder Theke und gemütlichen Sitzecken, besetzt von schicken Art College-Studentinnen.

Den Abend verbrachten wir dann in der Brick Lane auf der anderen Seite der Stadt, um ein leckeres indisches Dinner zu genießen. Danach trugen leider das örtliche Verkehrschaos, die eiskalte Nacht und ein überfülltes, überlautes Sin dazu bei, meinen Gästen auch die Unannehmlichkeiten dieser Stadt nicht vorzuenthalten.

Corporate Sluts In Town

Am Wochenende bekam ich Besuch von den restlichen Corporate Sluts. Myrabel war gerade sowieso geschäftlich in der Nähe und Mobert wollte unserer Reunion natürlich auch nicht im Wege stehen. Nachdem er mich überredet hatte, meine letzte Vorlesung am Freitag nach Abzeichnen der Anwesenheitsliste zu verlassen, trafen wir uns vor der Tate Modern, die wir alsbald hinter uns ließen, um zum Tesco zu pilgern. Nach ein paar Ale holten wir dann Myrabel von der Charing Cross Station ab und tranken noch ein wenig weiter, bevor wir uns auf den Weg zum Koko machten. Dort war Club NME angesagt, den wir diesmal vorbildlich pünktlich erreichten und somit nicht mal hinter eine Häuserecke, ja nicht mal eine Schlange stellen mussten. Drinnen gab es, wie immer, grandiose Musik und auch live: High Society und Das Pop, an die ich mich schändlicherweise beide nicht recht erinnere. Aber Laurence, dem ich bis auf wenige Ausnahmen vertraue, bescheinigte beiden, „quite good“ gewesen zu sein. Zu guter Letzt ließ es sich der NME auch nicht nehmen, neben Blurs Reunionplänen auch meine Anwesenheit zu dokumentieren. Was ich allerdings wohl eher Carolin und meinem geilen Faint-Shirt als meinen verbrauchten Gesichtszügen zu verdanken habe…

Faint It Black

Donnerstag spielten die Faint im Scala. Bevor diese jedoch die Bühne betraten, durften The Invisible das Publikum erstmal in Stimmung bringen. Dieser Pflicht kamen sie sehr erfolgreich nach, mit einer interessanten Mischung aus Funk, Erinnerungen an TV on the Radio und Instrumental-Einlagen, die musikalisch nicht weit von Motorpsycho entfernt waren. Zwar heizten sie das Publikum gut an, dies war jedoch schon längst wieder abgekühlt, als der Fünfer aus Omaha, NE die Bühne betrat. Nicht, dass das ein Problem für Band oder Zuschauer gewesen wäre, denn mit dem Einsetzen der Bassdrum war den Körpern der Beteiligten klar, in welche Richtung sie das Quecksilber in der nächsten Stunde bewegen würden. Kein Hit ihrer mittlerweile drei Alben wurde ausgelassen, vom „Glass Danse“ des Erstlings bis zur neuesten Erkenntnis „The Geeks Were Right“ vom neuen „Fasciination“. Somit verließ ich verschwitzt und doch mit solcher Begeisterung den Saal, dass ich mich gegen ein weiteres Bierchen an der Theke und für ein schickes Shirt der Band am Merchandising-Stand entschied.

„Desperate Guys“ in gewohnt mieser Qualität, inklusive verwackelter Kamera, da ich nicht aufs Tanzen verzichten mochte.

Catched

Am Sonntag traf ich mich mit Sabrina, die gerade hier in London aupairiert, um die Wombats im Coronet zu sehen. Integriert in das Shopping Centre bei Elephant & Castle, dem ungefähr hässlichsten Fleck Londons, bietet es eine wohl etwas dreckigere Atmosphäre als zum Beispiel das Matter, das Teil der o2Arena ist. Dies merkte auch die Hauptband selbst an, die sich auf Grund des spärlichen Materials von einem Album auch erst nach zwei Vorbands auf der Bühne blicken ließ. Was allerdings nicht weiter störte, da diese mich gut unterhielten. Accidents Never Happen verstörten das doch recht junge Publikum (nicht wenige waren anscheinend mit ihren Eltern anwesend) mit ihren von Sonic Youth inspirierten Gitarren. Danach präsentierten die Golden Silvers den Bastard, den New Wave und Bob Dylan gezeugt hätten, wenn sie sich jemals für einander interessiert hätten. Nach ein wenig Warten dann die Wombats, sichtbar gut gelaunt, mit gutem Sound und ein paar neuen Liedern. Auch wenn sich mir die Ironie, zu Joy Division zu tanzen, noch nicht erschlossen hat; zu den Wombats selbst ließ es sich sehr gut tanzen – ohne jede Ironie.

Nach dem Konzert ging ich noch zum Kiosk um die Ecke, um mir ein Bierchen zu kaufen. Davor hörte ich einen englischen Jungen, mit einem Drumstick in der Hand aufgeregt in sein Handy schreien: „Man, I catched [sic] it“. Anscheinend zu undeutlich, denn er musste es noch einmal wiederholen: „I CATCHED it“.

Darlin’ don’t you go and cut your hair…

…do you think it’s gonna make him change? Meine Haare waren nun so lang, wie seit meiner Zivildienstzeit nicht mehr. Daher musste ich den Mut finden, nun endlich zum Frisör zu gehen. Einen passenden zu finden, war erstmal gar nicht so einfach, da man hier fürs Haareschneiden 5 £ beim Frisör um die Ecke, aber auch 50 £ bei Toni & Guy in Covent Garden ausgeben kann, wobei man bei beiden mit suboptimalen Ergebnissen den Salon verlassen kann. Auch sehr ermutigend war, dass alle meine englischen Freunde mir keinen Frisör empfehlen konnten, da sie zum Haareschneiden extra nach Hause fahren („Getting your haircut in London is horror, man“).

Ich entschied mich, 10 £ für Waschen, Schneiden und Fönen bei PaX in der Charing Cross Road auszugeben. Erstmal braucht man da keinen Termin und zweitens haben die bis 20 Uhr am Samstag auf. Was mich erwarten würde, wusste ich nicht so recht. Pax, pacis? Das erinerte mich an Frieden oder K-Pax, Kevin Spacey’s Heimatplaneten, daraus wurde ich auch nicht klug. Im Laden selbst musste ich nicht lange warten, wurde sofort auf einen Stuhl gesetzt und mir wurden die Haare gewaschen. Leichte Schwierigkeiten gab es mit der Verständigung, da meine Frisörin nicht wirklich gut Englisch sprach. So half es mir wenig, dass ich mir vorher noch ein paar Frisurvokabeln zurecht gelegt hatte. Hielt ich sie zunächst für eine Französin, stellte sich nachher, als sie sich mit ihrer Kollegin unterhielt, heraus, dass sie wohl spanisch spricht. Ich verstand nur so viel, dass sie wohl heute Abend zuhause bleibt, da sie zu müde von der Arbeit ist, glaube ich zumindest.

Dass die Arbeit dort müde macht, kann ich mir sehr gut vorstellen, da die ganze Zeit die Musik so laut lief, als befinde man sich in einem Club. Nachdem sie mich gefragt hatte, wie ich es denn habe wollte, fing sie dann an, zu schneiden. Am Schluss wollte ich die Haare im Nacken noch etwas kürzer haben, was sie allerdings auf Englisch nicht verstand. Ich versuchte es dann nochmal mit „más corto, por favor“ und es klappte. Wir unterhielten uns dann auf Spanisch weiter, wobei sie den Großteil zur Konversation beitrug. Immerhin verstand ich, dass sie Carmen heißt und aus Valencia kommt. Qué fácil, muy bien…

Ach ja, das Ergebnis. Wie immer, sehr kurz, damit ich möglichst lange nicht zum Frisör muss. Etwas langweilig, aber es wächst ja wieder:

I'm just a guy with a new haircut

I'm just a guy with a new haircut

The Lock Tavern

Den Sonntag nutzten wir, um den verregneten Nachmittag in unserem Lieblingspub in Camden zu verbringen: The Lock Tavern, direkt gegenüber dem Stables Market. Der Pub besteht aus zwei Etagen: Die untere bietet einem Gastropub Platz, der neben Getränken auch durchaus leckere britische Küche serviert. In der oberen befindet sich eine etwas kleinere Bar mit Wohnzimmer-Atmosphäre. Hier spielen jeden Abend verschiedene Bands oder DJs auf. An jenem Abend mussten wir jedoch schon aufbrechen, bevor die Band mit ihrem Set beginnen konnte, da wir im McLaren House zu einem italienischen Dinner eingeladen waren. Dies war leider so lecker, dass ich mich vor meiner Revanche schon fürchte. Nach der Hauptspeise (feat. extra importiertem italienischen Rindfleisch) gab es noch Kuchen-Leckereien von den Französinnen. Danach ließen wir dann den Abend mit einem kleinen Kurs nicht zitierfähiger italienischer Vokabeln ausklingen. Ein durchaus gelungener Sonntag.

Blow Up

Nicht der Film von Michelangelo Antonioni sondern die Club Night im Metro Club in der Oxford Street. Allein das Googeln nach der Adresse hat mir wohl schon einige Einträge in unterschiedlichen Rasterfahndungsdateien eingebracht. Daher heißt dieser Artikel auch ganz bewusst nicht „Blow Up London“. Musikalisch erwartete uns eine Mischung aus Northern Soul, Beat und Britpop, die durchaus gefiel. Der Club selbst präsentiert sich in gediegener Keller-Atmosphäre. Die Leute waren leider nicht so cool drauf, wie wir uns erhofft hatten und einen etwas aggressiven Typen mussten wir sogar abkühlen. Ist aber nix passiert. Was zurückbleibt, ist die Erinnerung an einen lustigen Abend und eine – bereits getrocknete – Träne ob des vergeudeten Bieres.

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