Archiv für Januar 2009

Ex Lion Tamers

Good Night

Good Night

Wahrscheinlich beeinflusst von der mitreißenden Energie frischer Live-Musik am Vortag, starteten wir Dienstag unsere neuen musikalischen Bemühungen. Da ich jetzt endlich ein paar Boxen hier habe, konnte auch ich endlich meine Nachbarn an meinem zweifelhaften Geschrammel teilhaben lassen. Die honorierten das dann auch schließlich um fünf Uhr morgens, als einer von ihnen rüberkam, um uns irgendwas von einer Klausur am nächsten Morgen und lauter Gitarren zu erzählen. Wir versprachen ihm, der Sache nachzugehen.

Zwischendurch gingen wir dann noch zur Flat über uns, um den Erasmus-Leuten auf Wiedersehen zu sagen und ihnen zu versprechen, sie irgendwann im Laufe des Jahres in ihren Heimatorten zu belästigen. Natürlich sind das Küchenradio, der Weihnachtsbaum, Mengen an Tee und Brot nur ein kleiner Trost für den Verlust unserer Nachbarn und Freunde. Vielen Dank auch für den Baileys. In meinem Zimmer ist er hoffentlich in ausreichendem Abstand zu Flüssen, Meeren, Haifischbecken, Aquarien und allen anderen Gewässern, die Fischen eine Heimat bieten. Im Namen von Tom bedanke ich mich für das Weihnachtsmannkostüm, das ihn in dieser Nacht warm gehalten hat, da ich ihm leider keinen Schlafsack anbieten konnte.

Der Titel bezieht sich auf unseren ersten Song. Wire haben davon eine nette Version auf ihrem einflussreichen 77er Album Pink Flag:

Franz Ferdinand

Franz Ferdinand

Franz Ferdinand

Am Montag spielten Franz Ferdinand einen In-Store-Gig bei Rough Trade East. Um sie sehen zu dürfen, musste man sich dort ihre neueste Single kaufen. Also standen wir hier um neun Uhr morgens auf und fuhren mit dem Bus zur Brick Lane. Im Laden bekamen wir dann für 3,50 Armbänder und die Single. Abends trafen wir dann Tom, der in der Brick Lane wohnt, tranken dort ein paar Bierchen und liefen rüber zu Rough Trade.

Der Gig selbst war wirklich gut. Sie spielten nur Stücke ihres neuen Albums und diese konnten sehr überzeugen. Man darf also gespannt sein – Laurence, der Nerd, merkte jedoch später noch an, dass sie auch eine alte B-Seite vom ersten Album gespielt haben.  Einzig der Bassist nervte ein wenig damit, so auszusehen, als wenn er lieber backstage seine Hemden bügeln würde, als 250 Leuten ein paar Lieder zu spielen. Mit Bier vom Curryhouse beendeten wir dann den Abend in Toms Küche.

Dinner with Pacman

Nach einer gewohnt guten Nacht im Koko gönnten wir uns am Samstag mal eine Mahlzeit auswärts. Im inamo in Soho wurden uns ein paar asiatische Speisen serviert, die zwar sehr lecker waren, leider jedoch genauso sparsam portioniert waren. Ungewöhnlich war die Art sein Essen zu bestellen; dafür muss man mit einem Touchpad, das in den Tisch eingelassen ist und nicht etwa, wie erst angenommen, einen Glashalter darstellt, über ein Menü das auf den Tisch projiziert wird, Getränke und Speisen auswählen. Während man auf die Bedienung wartet, kann man sich die Zeit damit vertreiben, die ebenfalls auf den Tisch projizierte Tischdecke auszuwählen, den Küchenchef via Webcam zu beobachten oder eine Runde „Schiffe versenken“ gegeneinander zu spielen: Konflikte, wie etwa die Auswahl der Tischdeckenfarbe oder Schummelvorwürfe sind da natürlich vorprogrammiert. Zumindest das Essen war dann doch real und somit nicht in Gefahr von einer gelben Kugel aufgefressen zu werden.

Last one

In der letzten Klausur ging es um Software Engineering. Im Hinterkopf hatte ich noch ein paar Reste aus zwei Semestern Softwaretechnik in Bremen, daher war meine Vorbereitung nicht die umfangreichste.  Hoffentlich hat es trotzdem gereicht. Ab jetzt habe ich erstmal eine Woche frei, bevor das nächste Semester beginnt. Mittwoch werden die meisten Erasmus-Leute die Stadt verlassen und neue einziehen. Es bleiben gemischte Gefühle der Traurigkeit und Neugier.

Kontext

„Professional Engineering in Context“ muss hier von allen Ingenieuren belegt werden. Da deshalb auch von Dingen wie Gefahrenmanagement erzählt wird, war der Kontext für mich selbst nicht immer ganz klar. Allgemein ging es um Dinge wie Standards, Patentrecht, Projektmanagement und Finanzen, im Speziellen (was einen nicht unmaßgeblichen Teil der Vorlesungen ausmachte) wurden die Errungenschaften und Erfolge einer resoluten Lady abgehandelt, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, der Welt zu zeigen, wie wichtig es ist, Regeln einzuhalten, vorzugsweise ihre eigenen. Man mochte nicht wirklich zuhören, doch ihr penetrantes Organ war jederzeit bereit jeden Fluchtversuch in die Traumwelt zu unterbinden.

Dementsprechend froh war ich, mich durch Abgabe meiner Klausur endgültig von dieser Frau freizukaufen. Aufgrund der Menge an teilnehmenden Studenten fand das Spektakel in der Turnhalle statt. So konnte ich endlich mal an dieser großartigen Atmosphäre teilhaben, von der die ganzen BWL-Studenten immer so schwärmen. Man fühlte sich schon ein wenig wie auf einem Metallica-Konzert, zusammen mit tausenden Fans, nur darauf wartend, dass James Hetfield nun gleich endlich die Prüfungsfragen austeilt. Ein wenig.

Netze

Auf gings zur ersten Klausur. Startzeit war schon 14 Uhr Ortszeit, vorher musste ich auch noch eine Hausaufgabe abgeben. Deswegen hieß es: Früh aus den Federn. Im Learning Resources Centre ließ ich meine Sachen ausdrucken und binden, nachdem ich einen freien PC gefunden hatte. Es stellte sich nämlich heraus, dass dieser Freitag recht populär als letzter Abgabetermin war. Meine böse Vorahnung bestätigte sich dann, als ich die lange Schlange vor dem Faculty Office sah. Zunächst wurde ich ein wenig nervös, denn die Klausur sollte schon in einer halben Stunde beginnen. Doch ich hatte nicht viel Zeit irgendwelche Rechnungen im Kopf durchzugehen, welche Strategie im Falle einer nicht endenden Wartezeit zu verfolgen wäre. Dank der routinierten Büro-Crew löste sich die Schlange schnell auf.  So konnte ich noch in Ruhe zuhause frühstücken, um mich dann doch bis zum Klausurraum abzuhetzen.

Die Klausurdurchführung ist formalisierter als in Bremen. Es gibt vorgefertigte Antworthefte, auf denen man seine Daten einträgt, die Ecke am Rand des Heftes wird so umgeknickt, dass der Name für den korrigierenden Prüfer nicht erkennbar ist. Taschen wurden in den hinteren Bereich des Raumes verfrachtet, mit Austeilen der Fragen begann die Klausur. Thema war „Networks and Broadband Systems“. Es gab vier von sechs Aufgaben zu bearbeiten. Die Themen der einzelnen Aufgaben waren dabei vorher bekannt gegeben worden, so dass ich mich auch nur auf vier Themen konzentriert hatte (von Kabeln, Lichtwellen und Brechungsindizes habe ich also immer noch keine Ahnung, aber zumindest eine Vermutung). Inhaltlich war die Klausur sehr fair, zeitlich konnte ich die Aufgaben genau in den zur Verfügung stehenden 2 Stunden beantworten. Ohne die Klausur noch einmal durchgesehen zu haben bleibt trotzdem ein gutes Gefühl.

Die nächste Klausur ist dann am Mittwoch. Damit verbunden ist die Sehnsucht, einer bestimmten Person nach Prüfungsende nicht mehr längere Zeit zuhören zu müssen und die leise Hoffnung, danach gänzlich getrennte Wege gehen zu können.

Preparation starts now

Die im Titel stehenden Worte äußerte meine überaus reizende Dozentin Kate Anfang des Semesters mit bedrohlich klingendem Unterton zum Thema Klausuren. Als ich kürzlich tatsächlich mit der Klausurvorbereitung anfing, erinnerte ich mich plötzlich wieder an diesen Satz. Doch hätte ich damals tatsächlich schon mit der Vorbereitung angefangen, so hätte ich heute wahrscheinlich schon wieder das Meiste vergessen. Um es im Telekommunikationsjargon auszudrücken, mit dem ich mich gerade beschäftige, da Freitag die erste Klausur ansteht: Wer zu früh anfängt zu lernen, senkt den Datendurchsatz.

Um die Analogie fortzuführen; das Internetz bietet, wie immer, eine hervorragende Quelle, um die Qualität des Informationssignals, welches mich mit den zu lernenden Inhalten versorgt, durch Störgeräusche zu mindern. Diese Woche liefert sie James Yuill, den ich, wie schon viele andere tolle Sachen, bei ByteFM entdeckt habe. Vielleicht gefällt es diesmal ja sogar meiner Mutter, das Video zu „No Surprise“:

Nachtrag: Die „Earth Version“ auf der Myspace-Seite von Yuill finde ich noch besser.

New Year’s Eve in SE1

Der Silvesterabend hier in London ist komplett ausgebucht. Grund genug für alle Clubs, ordentlich Eintritt zu verlangen. Die bessere Alternative an diesem Abend ist definitiv, seinen eigenen Club aufzumachen, wenn man sowieso schon die teure Miete zahlt. In der Flat der Spanier gab es deshalb zur Feier des Tages ein reichhaltiges Bankett, von dem ich allerdings nicht viel aß, denn vorher hatte ich mir schon den Bauch mit Kuchen meiner Mitbewohnerin in unserer Küche vollgeschlagen. Etwa eine Stunde vor Mitternacht liefen wir dann rüber zum London Eye, von dem ein riesiges Feuerwerk abgefeuert werden sollte. Glücklicherweise fanden wir direkt vor diesem noch Platz. Wären wir ein wenig später losgegangen, hätten wir wohl Pech gehabt. Mit dem Glockenschlag des Big Ben im Hintergrund erlebten wir dann ein wirklich großartiges Feuerwerk. Dann noch einmal „Auld Lang Syne“ gesungen und es ging zurück zum Wohnheim, um weiterzufeiern.

Unsanft wurde ich in den frühen Morgenstunden geweckt. Ein ohrenbetäubender Lärm zerstörte die behagliche Stille meines Zimmers. In der ersten Minute ignorierte ich ihn, in der zweiten öffnete ich meine Augen, in den Minuten Nr. Drei bis Zehn suchte ich verzweifelt nach der Ursache des Lärms, schaute unter mein Bett, öffnete meinen Kleiderschrank. In der elften Minute realisierte ich dann, dass jemand wohl den Feueralarm ausgelöst hatte und der Ausschaltknopf sich wohl nicht in meinem Zimmer befinden würde. Ein paar Minuten später hatte ich mir dann etwas übergezogen und den Innenhof als Letzter des D-Blocks erreicht. Was genau der Auslöser war, bekam ich nicht mit, interessierte mich auch nicht sonderlich, ich war nur froh, wenig später wieder in meinem Bett zu sein, um mich dann das zweite Mal im neuen Jahr standesgemäß von Kopfschmerzen wecken zu lassen.