Archiv für Februar 2009

Going to hell

Eigentlich wollte ich heute etwas über den Gig der School of Seven Bells schreiben, der heute im Cargo stattfand. Irgendetwas über tolle Atmosphäre, Klangwände und die Anziehungskraft von Frauen, deren Hände die Tasten eines Korg-Keyboards herunterdrücken. Das hätte wahrscheinlich auch alles den Tatsachen entsprochen, doch einem schlechten Magen wollte ich nicht auch noch ein schlechtes Gewissen hinzufügen. Denn anstatt meinen Kopf in der wohligen Nähe eines Pints langsam in Richtung Bühnenbeleuchtung zu heben, musste ich ihn heute, um Schlimmeres zu vermeiden, über dem Klo platzieren. Vielleicht war das Schicksal.

Vielleicht lag es auch daran, dass ich heute in der Vorlesung nicht applaudiert habe. Da mein Professor eine halbe Stunde zu spät kam, nutzte eine Kommilitonin die Gelegenheit, um etwa zehn Minuten darüber zu referieren, dass es von höchster Bedeutung sei, Jesus in sein Herz zu lassen. Im Nachhinein hatte sie vielleicht recht.

Gott, falls du diese Seite in deinem Blogroll hast: In Zukunft keine Blasphemie, dafür dann wieder Konzerte. Okay? Zumindest Slayer.

Wire

Man kann als alternde Punk-Legende sein Geld anscheinend auch noch mit Konzerten verdienen anstatt mit peinlicher Werbung für Autoversicherungen oder Butter (ist auch deutlich besser für die Street Credibility). Der Cargo-Gig der vor ein paar Jahren wiedervereinten Wire war jedenfalls ausverkauft.

Die Vorband Joe Gideon & The Shark, noch relativ jung, in der mittlerweile sehr populären Mann-an-der-Gitarre-Frau-am-Schlagzeug-Besetzung boten eine interessante Mischung aus Storytelling, bratziger Blues-Gitarre und verzerrten Klavier/Minimoog-Loops. Diese wurden von der Schlagzeugerin live programmiert, was ihr schon jeden weißgestreiften Vergleich ersparen sollte.

Dann kamen Wire selbst auf die Bühne, darunter Sänger Colin Newman und Bassist Graham Lewis, in schwarzen Shirts, Brille und wenig Kopfhaar, was sie von der Mehrheit der Fans im Publikum auch nicht unterschied. Ihr Set zeigte dann die große Bandbreite ihrer  Musik: Von einminütigem Hardcore-Punk über Noise und Psychedelic hin zu eingängigen Popstücken. Besser konnten sie ihren Einfluss auf so unterschiedliche Bands wie Blur und Minor Threat, um nur zwei der bekannteren zu nennen, nicht erklären. Nach der dritten Zugabe wollte sie das Publikum zwar immer noch nicht gehen lassen. Doch einen besseren Schlusspunkt als „12XU“ hätte man wohl kaum setzen können.

Expanding your flat

Letzte Woche gab es pünktlich zum Start des zweiten Semesters wieder eine Feueralaram-Übung, natürlich wieder zu einer Zeit, die niemandem so richtig angenehm war. Nachdem die wenigen Personen, die sich auf dem Innenhof zusammenfanden, eine Schweigeminute für die potentiellen Opfer eines tatsächlichen Brandes und damit die Mehrheit des Wohnheims eingelegt hatten, trotteten sie wieder zurück zu ihren Wohnungen.

Laurence und ich nutzten die Gunst der Stunde, um die Brandschutztür in unser Wohnung, die uns von unseren Nachbarn aus Block C trennt, zu öffnen. Erstaunlicherweise klappte das. Und noch erstaunlicher war, dass die Tür seitdem auch nicht mehr zu geht. So haben wir nun auf einen Schlag acht neue Mitbewohner bekommen. Von denen lernten wir bis jetzt eine Lettin und ein Geordie Girl kennen.

Den Samstag verbrachten wir dann noch mit ein paar Trinkspielen in unserer Küche und einem netten Abend im after skool Club.

Yet Another Shoreditch Night

Im Cargo gab es am Freitag wohl ‘ne super Party, die vor allem durch freien Eintritt und günstige Drinks überzeugen sollte. Selbst konnten wir uns davon nicht überzeugen, als wir endlich dort ankamen, denn erstaunlicherweise hatten wohl noch dutzende andere Leute davon Wind bekommen und daher die Wartezeit durch eine (über)menschliche Schlange, die sie genau vorm Eingang nachgebildet hatten, auf irgendetwas in der Nachbarschaft von Unendlich erhöht. Machte aber auch nichts; wir hatten davor schon zu Trommel und Bass-Musik im Café 1001 und Akustikgitarrendudelei gefeiert. Dies in einer Kaserne in der New Kent Road, die Giovanni mir als das Wohnheim, in dem er lebt, verkaufen wollte.

V&A

Sonntag traf ich mich mit Sabrina, um das Victoria and Albert Museum anzusehen. Vom Trafalgar Square sollte man dies eigentlich schnell erreichen. Doch klappte das auf Grund unserer mangelhaften Koordination irgendwie nicht und wir kamen dort etwas spät an. So blieb leider nur wenig Zeit, um sich die Ausstellungen, welche 3000 Jahre Kunst und Design präsentierten, anzusehen, bevor wir von den Mitarbeitern aus dem Gebäude geschickt wurden. Also muss ich wohl noch einmal dorthin.

National Gallery

National Gallery

National Gallery

Direkt am Trafalgar Square befindet sich die National Gallery. Ausgestellt werden dort Gemälde aus dem 13. bis zum 19. Jahrhundert. Unter der immensen Menge an Werken befinden sich zahlreiche Klassiker von Da Vinci, Rembrandt, Rubens oder auch Monet, dessen Gemälde bittere Erinnerungen an den Kunstunterricht der neunten Klasse weckte. Wir sollten unsere eigene Version von einem seiner Bilder malen. Meine damalige Lehrerin konnte allerdings nichts mit der LoFi-Ästhetik meines Werkes anfangen und für ein Weihnachtsgeschenk an die Eltern erachtete ich es damals als zu revolutionär. Da ich damals keinen Platz für den enormen Output eines Mittelstufenkunstkurses fand, musste ich diesen Traum aus Wasserfarbe leider vernichten. Schade drum.

Erfreut hat mich jedoch der Anblick des Originals von „Die Gesandten“ von Hans Holbein, das ich das erste Mal in einem Buch über Anamorphosen gesehen hatte, das mir mein Bruder mal zu Weihnachten geschenkt hat. Den Totenkopf in der Mitte, als Symbol der Vergänglichkeit, erkennt man nur unverzerrt, wenn man sich in einem spitzen Winkel rechts neben das Bild stellt. Solche mathematischen Spielereien können mich natürlich schnell begeistern.

Valentine’s Day

Uns war schon klar, dass das alles nur eine Erfindung der Industrie, der Kirche und mindestens Yoko Onos gewesen sein muss. Doch nichtsdestoweniger wollten wir den Tag gebührend feiern. Gebührend im Sinne von wenig gebührend, im Sinne von möglichst kostengünstig, da der Credit Crunch meine Mitbewohner doch härter erwischt hatte, als angenommen. Insbesondere Laurence, der an der Börse wohl Milliarden Verluste gemacht haben muss, trank er an diesem Abend doch das gute White Strike für 1,35, pochte darauf, den Abend in unserer Küche gemeinsam zu gestalten.

Als uns die romantische Zweisamkeit schon nach etwa zwei Minuten auf den Zeiger gegangen war, luden wir noch ein paar Leute ein. Es war dann doch der guten Stimmung zu verdanken, dass uns irgendwann die Getränke ausgingen, als ich mich an Holly erinnerte. Holly ist so etwas wie der Geist unserer Wohngemeinschaft. Niemand weiß so recht, ob sie noch hier wohnt, verzogen oder gar verstorben ist. Gerüchten zu Folge wurde sie das letzte Mal im November gesehen, bestätigen möchte das aber niemand. Jedenfalls ist sie die Einzige deren Schranktür in unserer Küche abgeschlossen ist. Nachdem wir ihr diese Besonderheit genommen hatten, standen uns dann doch noch zwei Flaschen Wein zur Verfügung. Die schmeckten zwar nicht gut, aber erfüllten ihren Zweck. Am nächsten Tag stellte ich gemeinsam mit Laurence den Status Quo wieder her. Sollten wir Holly jemals wiedersehen, bezweifle ich jedoch, dass sie uns dafür feiern wird, aus Wein Leitungswasser gemacht zu haben.

Squisito Giorno

Die ganze Woche hatte ich damit verbracht, die Seiten meines Logbooks, in dem man die Ergebnisse seines Projektes protokollieren soll, mit eben solchen zu füllen. Am Ende interessierte das meinen Betreuer zwar überhaupt nicht, doch zumindest hatte er wenigstens Interesse an meinem Projekt. Er stellte mir in Aussicht, falls dieses erfolgreich läuft, hier eine bei ihm frei werdende PhD-Stelle zu besetzen. Noch ein paar Jahre London wären ja nicht schlecht; allein der Gedanke, dieses Blog noch länger als bis zum Sommer weiterführen zu müssen, ist jedoch schon ein wenig erschreckend.

Zum Glück hatte Giovanni an diesem Tag auch noch Geburtstag und das bot mir die Gelegenheit in Julias Flat jede Zukunftskonfusion zu ertränken. Mit italienischem Rotwein, einem leckeren Dinner, Sprachunterricht und, nicht zu vergessen, italienischem Rotwein.

Chinese New Year

Das Jahr des Rindes begann am 26. Januar. Die Feierlichkeiten dauern zwei Wochen. Am Trafalgar Square gab es am letzten Sonntag ein paar chinesische Gesänge und Tanzeinlagen zu bestaunen, später ein Feuerwerk am Leicester Square. Dies war zwar etwas kleiner als das europäische vor einem Monat, aber gefühlsmäßig dreimal so laut. Nach diesem Spektakel gingen wir noch essen, natürlich chinesisch.

Als wir das Lokal verließen, erwartete uns der Schnee, der London in ein historisches Chaos stürzen sollte. Um den öffentlichen Personennahverkehr lahmzulegen, genügt hier schon eine Schneehöhe von 30 cm. Als Zeitzeuge des Steinfurter Schneechaos 2005 bleibt man da natürlich eher gelassen und erfreut sich an dem schon fast nicht mehr erwarteten Schnee und zwei Tagen schulfrei (auch wenn ich an diesen Tagen sowieso frei gehabt hätte).

after skool

Nach einer verpassten Pan Cake Party, von der wir wohl nie erfahren werden, ob es dort wirklich Pfannkuchen gab und einer anschließenden Irrfahrt durch Shoreditch am Freitag wollten wir den Abend am Samstag etwas klassischer gestalten. Das bittere Ende des Astoria 2 und Sin, die beide wegen einer geplanten Erweiterung der Tottenham Court Road Station demnächst abgerissen werden, zwang uns jedoch für den Samstag eine Alternative zu finden; zugegeben, es gibt schwierigere Dinge in London.

Im Quad in Soho lässt es sich am Samstag ausgezeichnet beim after skool klub feiern. Die Location ist in einen Barbereich und einen Dancefloor unterteilt, so dass man sich zwischendurch auch einfach mal mit einem Pint an den Tisch setzen kann, um sich zu unterhalten. Die Leute dort sind nett und nicht zu überhip, das Bier ist relativ günstig. Einzig die lange Schlange an der Garderobe nervt.