Archiv für Juni 2009

Return

Samstagmorgen räumte ich die Küche aus. Radio, Töpfe und Weihnachtsbaum hatten leider keinen Platz mehr in meinem Handgepäck und so parkte ich sie im Gemeinschaftsraum, damit sie später für gemeinnützige Zwecke genutzt werden können. Ich hoffe der Weihnachtsbaum findet als Requisite in einem der Theater Southwarks Verwendung; ich habe ihn extra markiert. Gespannt bin ich, wie viel wir letztendlich von unserer Kaution zurückbekommen, denn die Küche und der Flur hatten schon Einiges zu erdulden während wir dort wohnten.

Nachdem ich Schlüssel und Karte an der Rezeption abgegeben hatte, fuhr ich schwer bepackt mit dem Bus zur Victoria Station. Von dort fuhr der Terravision Bus noch ein letztes Mal an Wohnheim und Uni vorbei, was mir die kurze Gelegenheit gab, in Gedanken Goodbye zu sagen. In Stansted traf ich dann einen Kommilitonen aus London, der mit seiner Familie auch auf dem Weg nach Bremen war. Nach dem üblichen Ryanair-Stress landete ich alsbald in der Hansestadt und freute mich schon ein wenig, wieder da zu sein.

In der Grundstraße wurde ich gewohnt herzlich empfangen und man arbeitete die Geschehnisse des letzten halben Jahres auf. Nach einem kurzen Picknick am Osterdeich holte ich dann noch eine Kiste Becks und begab mich zur Mozze, wo mir unter Bryans Schirmherrschaft mit meinen Kommilitonen aus Bremen ein herzerweichender Umtrunk zu Ehren meiner Wiederkehr kredenzt wurde. Der Weg dorthin erwies sich allerdings schwieriger als gedacht, da ich erstmal auf der falschen Seite auf die Straßenbahn wartete und daraufhin auch noch in die falsche Straßenbahn stieg. Trotzdem kam ich dann irgendwann an und war erfreut, bekannte Gesichter wiederzusehen. Später ging es dann noch zum Tanzen ins Zucker. Daran schloss sich noch eine Woche mit einigen Trinkgelagen und ein Hurricane-Wochenende an, bis ich dann auch meine Familie daheim im Westen mal wieder zu Gesicht bekam und ihre Sorge um mich ein vorläufiges Ende nahm.

Damit ist mein Jahr an der Themse hinter mich gebracht. Ich habe es auf keinen Fall bereut und erwäge ernsthaft, zurückzukehren. Als Mensch bin ich sicherlich gereift und bin, so denke ich, ein anderer als der, der letztes Jahr im Spätsommer in Köln in den ICE stieg. Es sind nicht nur die Parties, die multikulturelle Atmosphäre, die Architektur, die Parks und die Pubs, die ich vermisse, sondern vor allem die offenen, freundlichen Menschen, mit denen ich das Glück hatte, Freundschaft zu schließen. Während des letzten Jahres kamen mir oft gute Gedanken, die ich hier als Fazit hätte einbringen können. Leider fehlte mir allzuoft ein Notizblock oder der Wille, den Moment, durch Zücken des selbigen zu zerstören. So kann ich meinen Nachfolgern und allen, die überlegen, hier mal rüberzukommen mit britischem Understatement nur versichern: London ist okay.

Ende Juli werde ich noch einmal kurz für meine Graduation Ceremony wiederkommen. Währenddessen genieße ich mit guten Freunden und Yo La Tengo den Sommer:

Viva

In der Nacht zum Dienstag hatte ich dann noch ein paar Stunden Zeit, um die Präsentation meines Projekts am nächsten Tag vorzubereiten. Am nächsten Morgen stellte ich mir früh den Wecker und übte das Ganze noch einmal vor Johanna ein. Sie fand es okay und ich hatte später den Eindruck, dass mein Supervisor da nicht anders dachte. Am Nachmittag galt es dann noch, die Funktionalität meines Projekt zu demonstrieren, was erstaunlicherweise ganz gut lief. Am Schluss stellte mir mein Supervisor noch ein paar Fragen zum Projekt, die ich eigentlich alle mühelos beantworten konnte. Dann hatte ich es hinter mir und akdademisch war damit für mich das Jahr an der LSBU zu Ende. Das Projekt hat mir großen Spaß gemacht, ich habe Einiges gelernt und nun evtl. eine Idee, was ich später einmal machen möchte. In zwei Wochen sollen die Noten voraussichtlich verschickt werden und Ende Juli bekomme ich dann mein Zeugnis übergeben. Den Party-Marathon, den ich ab diesem Zeitpunkt bis zu meiner Abreise eigentlich einleiten wollte, konnte ich so leider nicht starten, da ich traditionell die Planung meiner Abreise auf den allerletzten Moment verschoben hatte. Immerhin blieb noch Zeit, mit ein paar Freunden ein paar letzte Bierchen zu trinken, auch wenn ich auf Grund meiner Unorganisiertheit nicht allen Leuten so Auf Wiedersehen sagten konnte, wie ich mir das gewünscht hätte. Einen großen Teil meiner Klamotten verschickte ich mit einem Kurierdienst. Dabei vergaß ich natürlich die Absenderadresse auf dem Paket anzubringen. Zum Glück ließ sich das Versehen nach einem Anruf klären. Beim Packen am Freitag bemerkte Giovanni, dass die Gebühren bei Ryanair pro Kilo und nicht pro 15 Kilo anfallen, so dass ich in aller Hektik noch die ganzen Bücher, die ich mir in London gekauft hatte, bei ihm unterbrachte, wofür ich sehr dankbar bin.

Meine Mädels und ich

Hinter so einer Überschrift verbirgt sich bei StudiVZ meist ein Fotoalbum irgendwelcher Girlies, das sie beim Cocktail-Trinken in Callela zeigt. Leider meide ich Cocktails und Callela, deswegen schreibe ich an dieser Stelle nur von meinem letzten vollständigen Wochenende in London und den Besuch, den ich empfing.

Am Donnerstag kamen Johanna und Mareike an. Da wir alle etwas müde waren, ließen wir Candybox aus und machten stattdessen Wraps, damit ich mal wieder etwas Anständiges zu essen bekam. Als die beiden dann zu Bett gegangen waren, trank ich mir mit Laurence ein paar letzte Bierchen, denn er reiste am nächsten Tag schon nach Leicester, um ein großartiges Wochenende in London zu verpassen.

Freitags schlenderten wir über den Portobello Road Market und kauften uns neue Kleider bzw. einen tollen Sampler äthiopischer Pop-Musik der 60er, natürlich bei Honest Jon’s. Danach aßen wir noch lecker indisch, bevor wir uns nach Hause begaben, um uns ausgehfertig zu machen. So trafen wir dann auch pünktlich im Koko ein, um zunächst zwei großartige Bands zu sehen (Little Death und The Answering Machine) und dann im Anschluss zu den Indie-Hymnen dieser Zeit zu tanzen. Die begehrenswerte Bassistin von Little Death vergaß unangenehmerweise, sich in mich zu verlieben, als ich ihr nach dem Konzert zu ihrer überragenden Performance gratulierte. Nachdem wir dann, nachdem die letzte Musik verklungen war, herausgekehrt wurden, nahmen wir den Bus zum Trafalgar Square und liefen das letzte Stück über die Jubilee Bridge nach Hause. Bevor wir dort ankamen, pflegten wir noch ein wenig Akrobatik vor dem Hintergrund des London Eyes.

Samstag führte ich die Damen dann zum Shoppen nach Camden aus; in die Lock Tavern wurden wir danach leider nicht gelassen, da der Türsteher mich nicht erkannte. Ich hoffe nur, dass das ihm nicht den Job kosten wird. Abends bekamen wir dann Besuch von Behnoush, die mal wieder zufällig in der Stadt war und gingen dann über die Waterloo Bridge, um im after skool Club zu tanzen, wo ich dank Johanna irgendwelchen Peters die Hand schütteln durfte.

Am nächsten Morgen brachte ich dann Mareike zur Victoria Station. Danach besuchte ich mit den verbleibenden Frauen den Slow Food Market an der Waterloo Bridge, um brasilianische Brötchen mit gebratener Schweinehaut und Apfelmus zu essen. In der Tate Modern sahen wir uns Robert Morris’ Bodyspacemotionthings an, oder anders gesagt, kleinen Kindern dabei zu, wie sie sich in einem kurzen Moment der Abwesenheit ihrer Eltern ablegten. Wieder daheim ruhten wir uns einen ebenso kurzen Moment aus, um dann weiter in den Osten dieser Stadt zu fahren. Dort kamen wir gerade rechtzeitig an, um den Läden des Bricklane und Spitalfields Market beim Schließen zuzusehen. Darum entschlossen wir uns dann im Café 1001, den hipsten Leuten dieser Stadt beim Pflegen ihres Status zu bewundern und der tollen Musik des ernsten DJs zu lauschen. In der Nacht verabschiedete ich dann Behnoush, die wieder Richtung Hannover flog, um eine bestimmt wundervolle Vorlesung zu genießen.

Den Montag ließ ich Johanna alleine gestalten, da ich die Präsentation meines Projekts am nächsten Tag vorbereiten musste. Darum schickte ich sie mit einer Karte Richtung British Museum. Schlechten Gewissens, sie alleine für mehrere Stunden kulturgeschichtlicher Exponate ausgesetzt zu haben, holte ich sie dann abends im Walkabout ab, und wir aßen chinesisch in China Town (quite obvious). Während Johanna dann abends schlief, übte ich noch einmal meine Präsentation ein.

Computer

Die letzte Klausur des zweiten Semesters, meines Final Years und außerdem die letzte Klausur für dieses Jahr behandelte das Thema „Advanced Computer Engineering“. Es galt, ein paar Fragen zum Thema CPU- und Cache Design zu beantworten und sich ein wenig mit parallelen Computersystemen auseinanderzusetzen. Auch das war nicht allzu schwer, hatte ich den Eindruck. Die Ergebnisse werde ich allerdings erst in ein paar Wochen per Post bekommen.

Real Time

Klausur Nr. 2 war zum Thema „Real Time and Embedded Systems“. Auch diese Klausur war eigentlich sehr fair und bestand daraus, ein wenig C-Code zu schreiben, ein paar Timing-Diagrammen zu malen und die Definitionen runterzuschreiben, die man sich vorher mühsam eingeprägt hatte. Die Klausur selbst war zweigeteilt, so dass man einmal zwei von drei Fragen zum „Thema Real Time Systems“ und einmal zwei von drei Fragen zum Thema „Embedded Systems“ beantworten musste, da diese auch im Laufe des Semesters als eigenständige Vorlesungsreihen von unterschiedlichen Dozenten behandelt wurden.